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Werden wir 100? Warum die Lebenserwartung täuscht

Die Statistik sagt rund 81 Jahre. Für junge Menschen ist ihre Aussagekraft begrenzt: Sie werden viel länger leben, arbeiten und vorsorgen müssen.

Søren Obling
Søren Obling 15. Juli 2026
100

50 % aller 2007 Geborenen werden über 103 Jahre alt. Das hat mich umgehauen. Sehr gut dargestellt wird das im Buch „The 100-Year Life“ von Lynda Gratton und Andrew Scott.

Ich konnte es anfangs auch nicht glauben. Unsere Lebenserwartung liegt doch bei rund 80 Jahren, oder? Wie kann das sein?

Die Statistik ist korrekt, ihre Aussagekraft aber begrenzt

Die heutige Statistik ist zwar korrekt, aber ihre Aussagekraft für junge Menschen ist begrenzt. Um die Lebenserwartung auf Basis realer Statistiken zu berechnen, braucht man Menschen, die bereits verstorben sind. Wenn heute jemand mit 81 Jahren stirbt, also im Alter der aktuellen Lebenserwartung in Deutschland und Österreich, wurde diese Person um 1945 geboren.

Die aktuelle Lebenserwartung basiert also hauptsächlich auf Menschen, die in den 1930er- und 1940er-Jahren geboren wurden. Sie spiegelt die Lebensverhältnisse seit deren Geburt wider und nicht die Realität für jüngere Generationen.

Kohortenanalysen: Junge Menschen leben viel länger

Eine „Kohortenanalyse“ klingt fancy. In diesem Zusammenhang ist sie aber nichts anderes als die Betrachtung, dass verschiedene Altersgruppen aufgrund unterschiedlicher Umstände unterschiedliche Lebenserwartungen haben. Sie basiert auf der einfachen Annahme, dass jüngere Menschen länger leben werden.

Für solche Schätzungen berücksichtigt man zukünftige Verbesserungen in:

  • Lebensstil
  • Medizin
  • Biotechnologie

Das klingt doch ziemlich plausibel. Ich gebe zu, dass ich mir die Analyse hinter der Zahl 103 nicht im Detail angeschaut habe. Die Quellen dahinter sind aber sehr glaubwürdig.

Zwei Blicke auf die Lebenserwartung

Heutige Statistik

Rund 81 Jahre. Sie beruht vor allem auf Menschen, die in den 1930er- und 1940er-Jahren geboren wurden.

Kohortenanalyse

50 % aller 2007 Geborenen werden über 103 Jahre alt. Sie berücksichtigt Verbesserungen in Lebensstil, Medizin und Biotechnologie.

Das Rentenproblem ist größer, als wir denken

Wenn du das Renten- bzw. Pensionsproblem verstehen willst, brauchst du nur diese Schätzung zu verinnerlichen, kombiniert mit dem tatsächlichen Renteneintrittsalter:

  • Deutschland: 64 Jahre
  • Österreich: 61 Jahre

Mein Fazit: Wir werden länger leben, also auch länger arbeiten, und müssen entsprechend gut vorsorgen. Eigentlich müssten wir bis 80 arbeiten, etwas, das heute noch nicht diskutiert wird. Ich freue mich eigentlich darüber. Es muss ja nicht in der gleichen Intensität sein wie mit 40.

Quellen: Lynda Gratton, Andrew Scott: The 100-Year Life (2016) · Statistisches Bundesamt, Lebenserwartung 2025

Søren Obling
Søren Obling

Gründer von FINABRO. Schreibt über Altersvorsorge, Langlebigkeit und betriebliche Vorsorge, die alle Mitarbeitenden erreicht.

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