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Warum das dänische Rentensystem so gut funktioniert
Statt das Rad neu zu erfinden, könnte sich Deutschland viel vom dänischen Rentensystem abschauen. Die wichtigsten Eckpunkte.
Bei den Diskussionen rund um das Rentenpaket II habe ich das Gefühl, dass Deutschland das Rad neu erfinden möchte. Dabei ist das dänische System genial. Warum kopieren wir nicht einfach so viel wie möglich davon? „Steal with pride“!
Hier sind die wichtigsten Eckpunkte.
Die wichtigsten Eckpunkte
Vereinfacht, Werte gerundet, Stand 2024
1. Säule: Volksrente für alle
- Alle Staatsbürger:innen bekommen sie, unabhängig von den Arbeitsjahren: ca. 950 € im Monat, plus bis zu 950 €, wenn es keine anderen Renteneinkünfte gibt.
2. Säule: bAV mit Opt-out
- 90 % haben eine bAV. Im Durchschnitt werden 12 % des Bruttogehalts eingezahlt, meist 6 bis 10 % Eigenbeitrag mit 50 bis 100 % Arbeitgeberzuschuss.
Gewerkschaften als Kapitalisten
- Seit der Pensionsreform 1987 dürfen Gewerkschaften eigene Pensionskassen gründen. Die zehn größten Kassen verwalten 15 bis 130 Mrd. €.
3. Säule: irrelevant
- Private Rentenversicherungen sind unbekannt. Geld, das am Jahresende übrig ist, etwa aus Boni, fließt häufig in die bAV.
1. Säule: Altersarmut ist de facto unmöglich
Die 1. Säule macht Altersarmut de facto unmöglich. Ganz einfach: Alle Staatsbürger:innen bekommen eine Rente, unabhängig von den Arbeitsjahren. Diese „Volksrente“ beträgt ca. 950 € im Monat für alle, mit weiteren bis zu 950 €, wenn man keine anderen Renteneinkünfte hat. Die ärmsten Rentner:innen bekommen also 1.900 € im Monat, ca. 1.400 € netto. Das entspricht etwa der durchschnittlichen Rente deutscher Männer. Die Ausgaben dafür sind deutlich geringer als in Deutschland.
Finanziert werden in Dänemark alle Renten und das Gesundheitssystem einfach über die Steuern. Es gibt also kein extra ausgewiesenes Sozialversicherungssystem, aber aus meiner Sicht ist es das Gleiche, nur mit einem anderen Namen. Verleitet die Volksrente dazu, nicht selbst vorzusorgen? Wegen des Automatic Enrollment stellt sich die Frage eigentlich weniger, glaube ich zumindest. Ich habe noch nie etwas darüber gelesen, dass die Volksrente im großen Stil ausgenutzt wird. Gleichzeitig muss man sagen, dass es als Ausländer:in schwierig ist, die Staatsbürgerschaft zu bekommen, weil man damit ja auch dieses Recht erhält.
Das ist schwierig zu kopieren, aber vielleicht trotzdem eine Inspiration.
2. Säule: Automatic Enrollment und Gewerkschaften als Kapitalisten
Die 2. Säule funktioniert mit Automatic Enrollment („Opt-out“): 90 % der Dän:innen haben eine bAV, und im Durchschnitt werden 12 % des Bruttogehalts eingezahlt. In der Regel sind das 6 bis 10 % Eigenbeitrag mit einem Arbeitgeberzuschuss von 50 bis 100 %. Da kommt ordentlich was zusammen. Und wer nimmt dann die Opt-out-Option? Nicht viele.
Dazu kommt: Die Gewerkschaften sind wahre Kapitalisten (geworden). Bei der Pensionsreform 1987 haben sie das Recht erhalten, eigene Pensionskassen zu gründen. Das war entscheidend für den politischen Erfolg. Einige Kassen haben gut funktioniert und sind selbstständig geblieben. Andere haben fusioniert, um Skaleneffekte zu erreichen. So entstand PensionDanmark, eine Pensionskasse mit ca. 50 Mrd. € an Assets under Management (AuM).
3. Säule: in Dänemark irrelevant
In Deutschland wird meines Erachtens viel zu viel über die 3. Säule gesprochen. Einzelverträge mit hohen Vertriebskosten sind ineffizient und führen zu viel berechtigter Kritik in den Medien.
In Dänemark gibt es die 3. Säule de facto so nicht. Wenn Menschen am Ende des Jahres Geld übrig haben, zum Beispiel aus Boni, zahlen sie es häufig in die bAV ein. Private Rentenversicherungen sind unbekannt. Günstige Aktien- und Anleihedepots gibt es aber, genau wie in Deutschland.
Das Ergebnis: das weltbeste Pensionssystem
Skaleneffekte bringen niedrige Kosten und erstklassiges Asset Management, und daraus entsteht das weltbeste Pensionssystem, gemeinsam mit Holland. Die zehn größten Pensionskassen haben zwischen 15 und 130 Mrd. € an AuM, angeführt von ATP mit 130 Mrd. €, PFA mit 90 Mrd. € und Danica Pension mit 70 Mrd. €. Die Kosten liegen bei nur 30 bis 60 Basispunkten. Das Asset Management ist erstklassig, mit Zugang zu den besten VC-, PE- und Infrastrukturfonds.
Ein großer Unterschied liegt darin, dass die Dän:innen seit fast 40 Jahren in der bAV hohe Renditen erzielen. Dort ist der Wohlstand entstanden. Eine Studie der Allianz über die realen Verzinsungen von 2003 bis 2018 zeigt: In Deutschland lag die Verzinsung bei 1 %, in Dänemark bei 4 %. Das führt bei gleicher Sparrate zu ca. 100 % mehr Rente für die Dän:innen.
Steal with pride
Ich würde mir wünschen, dass sich Deutschland (und Österreich) hier mehr abschauen. „Steal with pride“, oder auch „Move fast and break things“: Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt, ein paar Startup-Klischees in die Rentendebatte einzubringen.
Das Ganze hat das Potenzial für eine positive Spirale: Mehr Geld in der bAV bedeutet mehr Kapital für Infrastrukturinvestitionen und Innovation. Das bringt Wachstum für Deutschland, und das Wirtschaftswachstum sorgt wiederum für höhere Renditen in der bAV. Ich bin mir allerdings noch nicht ganz sicher, ob diese Vision schon im Mainstream angekommen ist.
Ein Altersvorsorgedepot ist ein Schritt in die richtige Richtung. Ich finde aber, man überspringt damit zwei bis drei Entwicklungsschritte. Die „Aktienfreude“ ist in Dänemark entstanden, weil alle über die bAV in Aktien investiert waren. 20 bis 30 Jahre später traut sich dann jeder, Aktien zu kaufen. Ich würde daher lieber den Fokus auf die bAV legen und in 10 bis 20 Jahren ein Altersvorsorgedepot aufbauen.

Gründer von FINABRO. Schreibt über Altersvorsorge, Langlebigkeit und betriebliche Vorsorge, die alle Mitarbeitenden erreicht.
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